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Die Bremse der Sachs Freilaufnabe und deren Verbesserung (bedingt möglich).


Datenstand ist 16.10.2012

Torpedo Freilauf Bremsvorgang

In der Fahrposition drückt der Antreiber die Walzen gegen die Nabenhülse und das Rad fährt.
In der Bremsposition drückt der Walzenhalter den Bremskonus in den Bremsmantel,
der spreizt sich und drückt gegen die Nabenhülse und das Rad bremst.

Der Messingbremsmantel hat lediglich eine Dehnfuge, bauartbedingt schleift der asymetrisch ab.
Der Stahlbremsmantel hat 2 Dehnfugen.
Centrix hatte 4 Teile die sich von innen gegen die Nabenhülse drücken .


Torpedo Freilauf Bremsmantel

Messing-Bremsmantel:
Der Messingbremsmantel ist aus der Torpedo-Freilauf der 60er Jahre und davor.
Der Durchmesser beträgt bei einem neuen Bauteil 33,8mm.

Stahl-Bremsmantel:
Der Stahlbremsmantel rechts ist aus einer Nabe ab 1972, da wurde zur Erhöhung der Bremskraft das Material geändert.
D = 33,8mm.
Der untere ist ein Replika aus der Favorit und ist kompatibel.
D = 33,8mm.



Eine wiederkehrende E-Mail-Anfrage:

"Meine Rücktrittbremse ist schlecht, woran kann das liegen?"

Das Teil kann nach 20-40 Jahren Nutzung auch mal schlechter bremsen.
In der Zeit hab ich für meine KFZ schon ca. 3000,00 Euro für Bremsen ausgegeben.
Sparfüchse flexen Quernuten in den Bremsmantel rein.
Wer etwas investieren mag montiert einen neuen Stahlbremsmantel und achtet auf das Bremsfett .
Beim Messingbremsmantel kann die Bremsleistung durch bestreichen mit Vaseline verbessert werden.
Quelle: Betriebsanleitung Freilaufnabe 1964
In Vaseline ist Paraffin, Sachs hat schon früh von "Fett mit Paraffin-Anteil" geredet.
Wenn die Bremse dann zu stark bremst, die Vaseline mit Fahrrad-Öl leicht verdünnen.
Wenn die Nabenhülse an der Stelle des Bremsmantels innen schon abgenudelt ist wirds schwierig.
Dann hilft eine Stempelbremse vorne auch nicht gerade gut weiter.
Bei Ordonnanzrädern ist für die Bergabfahrten eine Zusatzbremse Namens Böni entwickelt worden.
Vermutlich sind vorher einige Herren in den Täler der Schweizer Alpen verunglückt.

Torpedo Freilauf mit Bönibremse
Torpedo Freilauf mit Bönibremse
Das ist eine Trommelbremse die separat über einen Bremshebel gezogen wird.
Wer keine solche Bremse auftreiben kann montiert vorne eine Trommelbremse.
Wem das die Erscheinung des Rades zu sehr ändert speicht hinten eine bessere Torpedo ein.
Wer gar einen Hilfsmotor am Rad hat braucht eine stärkere Hinterradnabe.



Torpedo Freilauf Mopedversion
Das Teil kann auch einen Hilfsmotor stoppen.
Es ist sehr gut an dem Gewinde an der Nabenhülse zu erkennen.
Einige "Hühnerschreck" wurden mit Riemenscheiben an den Speichen nachgerüstet.
In diesem Fall verblieb natürlich oft die Torpedo-Freilauf im Fahrrad.
Und die Bremsungen kann die nicht lange leisten.
Zumal das Streben ja nach max Geschwindigkeit wächst.

Mehr zur Moped-Torpedo .

Fazit:
Einen Brezelfenster-Käfer mit Porsche 356er-Motor können selbst die 4 Trommelbremsen nicht stoppen.
Eine Bremsanlage sollte auf die Anforderungen abgestimmt werden.
Ich habe historische Räder die bremsen sehr schlecht, das werde ich nie ändern.
Bei einem Oldi den ich als Alltags-Rad nutze gibts kein "wenn und aber".
Daran arbeite ich bis ich zufrieden bin.
Wer sich nun auf die Suche nach einer Moped-Torpedo macht merkt schnell:
Es ist leichter eine Sachs Duomatic zu organisieren.






Erfahrungen mit Rücktrittbremsen von F&S-Naben.
Endlich:
Gesicherte Erkenntnisse treffen hier auf Vermutungen.



Vorwort:
Der Test ist nicht von mir.
Ich sag Danke an den Material-Spender.
Ein alter Werbeslogan taucht mir die letzten Tage (während der Vorbereitung zu diesem Bremsbericht) im Kopf auf:
"Funktionsstabil bis zur Rotglut."
Das meinten die damals so.
Könnte aus "Radmarkt und Reichs Mechaniker" sein.
Wer bei diesem Bericht den Humor nicht ganz verliert ist hier goldrichtig.



dauerbremsung-torpedo-nabe-mit-200kg
Wenn Sie dieses Gespann in den Alpen auf einem Pass erkennen:
"Haben Sie ganz klar diesen Bericht gelesen, möchte ich Sie bitten innerlich Danke zu sagen."
Im Zusammenhang mit dem E-Mailkontakt, der zu dieser Veröffentlichung führte,
bekommt dieses Fahrzeug hoch oben in den Bergen einen tieferen Sinn.
Ansonsten könnte man meinen der Typ muss sich unbedingt spüren.
Ich ziehe hier meinen Hut.
Es sind drei Bremstests durchgeführt worden.
Inklusive genauester Aufzeichnungen.
Das ist sehr wertvoll für mich.





Test 1.
Ganzer Pass (ca. 7KM) mit zu ca. 70% Dauerbremsung der Hinterradnabe.
Ohne Zusatzgewicht, d.h. Gesamtgewicht 90KG.
Keine Verfärbung der Hinterradnabe, Bremswirkung stets gut,
Temp. 115°C (gemessen am austretenden Fett).
Keine Defekte beim Zerlegen

gerlospass-bremse-1941
Das bestätigt meine Vermutungen zu dem mir vorliegenden historischen Material.
Oben sehen Sie ein Foto aus einem Album aus 1941.
Zwei junge Männer unterwegs: 560KM von München zur Großglocknerstraße und retour.
Die hatten keine andere Möglichkeit als mit Stempel- und Rücktrittbremsen zu reisen.
Es war normal, es waren ja auch ganz normale Räder.





Test 2.
Hinterradnabe neu eingefettet.
Zusatzgewicht 115, d.h. Gesamtgewicht 205KG.
100% Dauerbremsung
Nach 0,63 KM und 3 Min 152°C (gemessen am austretenden Fett), Braunfärbung der Nabe
Nach 2,00 KM und 8 Min 182°C (Messung dauerte gut 2 Min)
Nach 2,24 KM und 11 Min 218°C gemessen am austretenden Fett

Beim Zerlegen, Bremskonus passt nicht mehr optimal in den Bremsmantel.
Alle Teile im Inneren stark geschwärzt.
Trocken und staubig "Metall wirkt auf Metall".





Test 3.
Hinterradnabe neu eingefettet, neuer Bremskonus montiert.
Zusatzgewicht 115, d.h. Gesamtgewicht 205KG.
100% Dauerbremsung
Gesamtstrecke 2,8 KM in 12 Min.
Nach 1:40 Min entsteht die erste Rauchentwicklung (Video ).
Nach 3:50 Min Blaufärbung der Nabe in der Mitte.
Nach 4:30 Min erstes Klemmen der Nabe (Video ).
Nach 9:30 Min Blaufärbung der Nabe zu 70%.
Nach 12:00 Min "Weichwerden der Bremse", Fahrt wird gestoppt (Video ).
Nach weiteren 5:00 Min kann das Rad nicht mehr gedreht werden, evtl. steigt die Temp. durch Stauhitze.
230°C das Gerät zur Messung schaltet ab (mehr gibt es nicht her).
Beim Zerlegen, alles wie verkohlt.
Der Bremsmantel lässt sich nur mit dem Hammer und Schraubendreher lösen.

bremskonus-blockiert-das-rad
Die Vermutungen (vom Spender und mir):
Der Bremskonus führt durch seine Kantenschäden zur Blockade des Rades.
Übrigens, die Nabe lief nach einer Neufettung schlecht.
Die Bremse wirkt sehr plötzlich und extrem metallisch, aber die Nabe läuft.















Auf zum Fuscher Törl: Die Auffahrt und die Schiebung.

Vor der Abfahrt steht die Auffahrt.



Die Großglockner Hochalpenstraße wird schon aus der Ferne beworben.
Kurze Vorabinformationen im Internet bereiten einen gewissentlichen Fahrradfahrer vor.
Je mehr wir uns der Zahlstelle näherten, desto deutlicher wurde mir worums dort nebenbei geht.
Um verdammt viel Geld.
Tausende motorisierte Fahrzeuge haben an der Bezahlstelle 20-30 Euro zu lassen.

Für Radfahrer ist die Nutzung der Straße gratis.
Vor 9.00 Uhr machts Freude.
Ab 10.00 Uhr überwiegen Fahrzeuge "wie an einer Perlenkette aufgeschnüret".




Wer sein Rad liebt schiebt.
Downhill-Rad (nicht zu sehen, war immer weg), fuhr stets.
Andros Rennrad mit Campa-Ausstattung, schob fast nie.
Sachs H3111 mit Bergritzel, schob ca 85% des Anstiegs.
Shimano Nexus 8gang, schob ca. 90% des Anstiegs (der erste Gang ging nicht rein).
Torpedo Freilauf, ich schob 98% des Anstiegs.


Kehren an der Glocknerstrasse
Durchgängige 12% Steigung.
Die Glocknerstraße bot mir mit ihren Kehren echte Abwechslung.
Ich konnte dort immer mal wieder für ein paar Sekunden Fahrrad fahren.


andros-campagnolo-neben-nexus-8gang
Mit dem Andros verhielt sich das anders.
Der Fahrer bezeichnete die Auffahrt wie "Rührteig kneten".


andros-rennrad-campagnolo
Rechenkünstler sitzen über Stunden am Schreibtisch und grübeln...
Ich vertrete nach wie vor die Meinung.
Die Übersetzung ist eine individuelle Angelegenheit.


pallas-am-fuscher-toerl
Ich weiß aus Erfahrung:
Um mit der Torpedo Freilauf 12% Steigung zu fahren, bedarf es hinten eines 28-32er Ritzels.
Und das bei 46-Zahn Kettenblättern, das bezeichne ich jetzt kühn als "Glockenlager-Standard".

Mir sind zig Leute bekannt, die würden ein Fahrrad mit der Kombination 46/28 einfach ins Tal werfen.
Um es denen nicht gleich zu tun, habe ich hinten ein 23er Ritzel montiert.
Ich hätte aber locker das 21er nehmen können, das war montiert.
Das ändert bei durchgehender 12% Steigung nämlich garnichts.

21-23 Zahn bei Glockenlager Standard ist eine gute Wahl.
Mit 21 Zahn würde ich jeder Zeit eine mehrwöchige Fahrradtour starten.
Auch 23 Zahn ist im Alltag gemütlich fahrbar.
Mit Sicherheit aber nicht über lange Strecken.


sattel-fuscher-toerl
Kommentare zum Erlebnis als Radfahrer an der Glocknerstraße:

Die Strecke bis zur Kaiser-Franz-Josef-Höhe wird als "Radtour Königsetappe Österreichs" bezeichnet.
Der Bau in den 30er Jahren war eine Meisterleistung.
Am Fuscher Törl wird den verunglückten Bauarbeitern gedacht.

Wer früh mit dem Rad aufbricht und fit ist, kann vor dem Fahrzeug-Ansturm oben sein.
Um die Mittagszeit gleicht das Treiben einem Event.
Ich habe mich diesem Treiben hingegeben.
Das hatte mit meinen Vorbereitungen zur Abfahrt zu tun.

Meine Gedanken kreisten um so banale Dinge wie:
Stempelbremsbelag
Messingbremsmantel
Vaseline
Starke Schmerzen durch Sturz





Die Abfahrt und die Bremsungen an der Glocknerstraße.


Meine Vorbereitungen gingen über Jahre.
Ohne Schaden unten ankommen, das war die Maxime.
Dazu gehören zwei unabhängig voneinander funktionierende Bremsen.
Die Dauer der Vorbereitungen mag verwundern.
Die Finanzierung ist verbucht, sie ist ein (die Zeit) beeinflussender Faktor.


Das wollte ich erreichen:

Die Torpedo nicht zu Schrott fahren.
Gegenbeispiele finden Sie hier .

Die Stempelbremse in kurzer Zeit an die Leistungsgrenze bringen.
Einen "Langzeit-Bremstest" sehen Sie hier .

Da es bei der Abfahrt trocken war, waren beide Ziele möglich.
Bei Regen liegt die Leistung der Stempelbremse bei Null.
Selbst feuchte Stellen auf dem Asphalt sind mit absoluter Vorsicht zu durchfahren.
Ich bleibe bei meiner Aussage:
Eine Reise mit Alpenquerung würde ich mit einer Stempelbremse scheuen.
Zu Testzwecken (meiner Firma Scheunenfunde dienlich) war das durchaus eine pfundige Angelegenheit.


sachs-fahrradnabe-1927-zuerich-berlin
Eine Torpedo Weltmeister aus 1927.
Die Nabe wurde vor der Abfahrt von mir frisch geölt.
Den Messingbremsmantel habe ich mit Vaseline versorgt.

Sachs-Fahrradnabe-1927 Bremstest am Glockner
Alle 400 Höhenmeter habe ich die Nabe während der Abfahrt mit Vaseline nachgeschmieret.
Der Schmierstoff gelangt durch den Helmöler zum Bremsmantel.
Hier ein Video zum unkomplizierten Vorgang . 7,7 MB
Da die Nabe heiß war, floss das Zeugs wie Butter aufs frisch geröstete Toast.

Auch wenn das eingedrückte Material wieder zügig verbraucht wird.
Es fühlet sich gut an.
Die Torpedo bleibt am Leben!

Die Vaseline dringt während der Weiterfahrt, zwischen Nabenhülse und Hebelkonus, wieder aus der Nabe aus.
Die Nabe wurde einmal von mir sogar mit Quell-Wasser runtergekühlt.
Zur Freude-Verbreitung der Reisegruppe hat es echt ordentlich gedampft.

Fazit:
Die Nabe hat stets mit bester Wirkung gebremst.
Das Fahrrad fährt sich noch immer gut.
Ein "Loch" zum Innenleben ist notwendig um eine Nabe zu versorgen.
Über Klapp- oder Helmöler ist das sehr gut durchführbar.
Moderne Brems-Naben machen es einem da wirklich schwerer.
Sie haben keine Versorgungs-Öffnungen.

Hier weiter mit .