Fahrradhistorie und technische Entwicklungen.
Das Fahrrad im Museum
Datenstand ist 17:49 16.11.2010
Beachten Sie
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Etwas seltsam erscheinde Ratschläge und Kommentare zum Thema Radfahren.
Ich biete hier einen Einblick in den Zeitraum 1817 bis in die 80er Jahre des 20 Jahrhunderts.
Teils boten sich bei meinen Recherchen unterschiedliche Zeitangaben, z.B. bzgl. des ersten Kurbelantriebes.
Carl Friedrich Christian Freiherr Drais von Sauerbronn konstruierte die lenkbare Laufmaschine mit Sattelsitz.
Die Abbildung oben rechts ist um 1950 in Karlsruhe entstanden.
Wenn Sie sich für das Denkmal in heutiger Zeit interessieren klicken Sie hier...
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Diese Laufmaschinen von Drais verbreiteten sich über England und New York. Herr Drais hatte darauf ein Patent
und vermarktete seine Räder sogar schon mit Emblemen am Lenker. Einige Quellen verweisen auf das Jahr
1814 als Ersterfindung.
Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten und es entstehen verschiedene Modelle (Kupferstich um 1819).
" Mit den Unterarmen legt man sich auf den Bügel am Steuerrad auf, der zu diesem Zwecke meist gepolstert war.
An die Schuhspitzen schraubte man eiserne Schutzkappen, mit denen man sich vom Boden abstieß."
Philipp Moritz Fischer aus Schweinfurt versah 1853 das Vorderrad mit Kurbeln.
Der Franzose Michaux entwickelte ebenfalls um 1855 den Pedalantrieb und führte 1867 auf der Pariser
Weltausstellung das Fahrrad der Öffentlichkeit vor.
Ab 1868 vermarktete Micheaux als erster das Fahrrad patentrechtlich durch den Herstellungsprozeß in einer Fabrik.
Ab 1869 verdrängte der Metallrahmen den Holzrahmen.
Der deutsch-französische Krieg 1870/71 brachte in beiden Ländern die Entwicklung ins stottern.
Federführend entwickelt ein Herr Starley in England das Hochrad. Das geschah wohl auch aus dem Grunde,
der direkte Kurbelantrieb am Vorderrad kam durch den Radumfang an seine Grenzen.
Die folgenden Jahre können als das Zeitalter der Hochräder bezeichnet werden. 1884 - 1886 umrundete
Herr Thomas Stevens auf einem Hochrad den Globus, wenngleich um 1884 schon wirklich "sicherere" Räder
entwickelt wurden. Die Namen lauteten Kangaroo, Extraordinary, Star, Facile etc.
1884 entstanden auch schon die ersten Sicherheitsniederräder (abgebildet) und damit auch der Rover, der
dem Fahrrad zur weltweiten Verbreitung verholfen hat. 1888 verdrängte der Rover III nahezu die Hochräder.
Zu dieser Zeit wurden jährlich in Deutschland 7000 Räder hergestellt (es gab 60 Modelle). 10 Jahre später
waren es schon 200.000. In Amerika sogar das 4fache.
1888 bringt Dunlop für das Fahrrad die Luftbereifung auf den Markt.
Das Patent auf Luftreifen ist allerdings weitaus älter. Schon 1845 entwickelte Thomson Luftreifen für Droschken.
Ein echtes Kleinod (unverkäuflich) aus ca. 1890, frühe Sicherheits-Niederräder und zwei stolze Besitzerinnen.
Das Foto ist seitenverkehrt (s. Kurbel), direkt auf eine beschichtete Kupferplatte belichtet und dann entwickelt worden.
Das war ein giftige Angelegenheit.
Das ist eine seltene und beständige Art zur Archivierung. Hält schon seit 120 Jahren.
Es entstand eine "Konstruktionsflut".
Die brachte um 1890 auch den klassischen Diamantrahmen hervor.
Erwähnenswert ist die Torpedo Freilauf-Nabe.
Die 1895 gegründete Firma Fichtel und Sachs bringt nach 8 Jahren Entwicklung 1903 diese schöne Nabe auf den Markt.
Mit Antrieb, Freilauf und Bremse in einem Bauteil.
Um die Jahrhundertwende folgten die Kettenlosen und erste Schaltungen.
Was uns Heute als völlig normal erscheint war damals eine Sensation.
1903 wurde die erste Tour de France gefahren.
Der Sieger Maurice Garin (links im Bild) fuhr 2428 Km in 6 Etappen.
Ein kettenloser Fahrradantrieb galt natürlich relativ kurz nach der Erfindung des Kettenantriebs als
das Novum. Das schlichte Erscheinungsbild gefällt noch immer.
Ich möchte hier auf die Staffelradwerke Köln aufmerksam machen. Diese Firma baute Fahrräder von 1899
bis 1907. Unter den Kettenlosen entwickelten Sie den Vorläufer der schräg verzahnten Kardanräder.
Da der Eingriff der Zähne etwas "rubbelig" galt, war die Bestrebung mit den versetzten Zähnen einen
weicheren Übergang zu erreichen.
Als ich das Rad vor ca. 20 Jahren erwarb war mir nicht klar: "Das fehlende Teil krieg ich wohl im Leben
nur sehr schwer als Original".
Das Fahrrad vermochte zu allen Zeiten auch hinderlich zu sein.
Diesbezüglich ist bemerkenswert, es gab sogar polizeiliche Verbote mancherorts das Rad zu nutzen.
Den Behörden war die Unfallgefahr zu hoch.
Mit dem Fahrrad zu fliegen ist nicht nur ein Traum.
1935 wurde von der Polytechnischen Gesellschaft in Frankfurt a. M. ein Preis ausgeschrieben.
Es galt 1200 M mit Muskelkraft zurückzulegen um 2 Wendemarken im Abstand von 500 M.
Helmut Häßler und Franz Fillinger gelang dieses nicht ganz, es reichte aber zu beachtlichen 720 M.
Die Schaltung im Tretlager obliegt nicht nur der Marke Adler (hier Adler Dreigang Tretlagergetriebe). Ebenso gab es
ein Bismarck-Zweigang, ein Wanderer-Zweiganggetrieb, später sogar mit einer Fußschaltung. Der Schaltvorgang vollzog
sich mit der Hacke an der Tretachse. Es gab sogar ein Tretlagergetriebe mit 4 Gängen von der Firma Rappa.
Das genaue Baujahr des Rades oben abgebildet ist mir nicht bekannt. Es wartet noch auf eine Instandsetzung, ein Zahn
"tritt über". Erstaunlich ist der Wartungsintervall des Getriebes. Nach 3000km soll das Fett ersetzt werden.
Das Phänomen Hinterradschwinge, oder auch Phänomen-Schwingrad hat den Menschen schon vor über 60 Jahren
ein bequemeres Radfahren ermöglicht. Um das Tretlager wirkt einen Stahlfeder und hält dadurch die Hinterradgabel.
Der Damenrahmen ist natürlich extrem belastet, die Muffe des Oberrohres ist bei diesem Rad angerissen.
Dennoch, eine Rarität mit einer kleinen Geschichte: Herr Hermann Häußler, ein Fahrzeughändler, hat dieses Rad
seiner Frau zu Weihnachten geschenkt. Ich habe es in dritter Hand. Es ist ab BJ40, im Hinterrad ist eine Torpedo
50 Millionen 1904-1940.
1948 dreht Vitorio de Sica den Film "Fahrraddiebe". Er gilt noch immer als einer der besten Filme aller Zeiten.
Eine Familie im Rom der Nachkriegszeit erhält Hoffnung durch die Anstellung des Vaters als Plakatkleber.
Bedingung ist ein Fahrrad und genau dieses wird gestohlen. Das ist ein wirklich großer Film, viele Szenen bleiben
noch Tage in der Erinnerung.
Wanderer 1940
Elektrisch umgerüstet, auch die Bremse ist nicht Original.
Ich finde es keinen Stilbruch, da nun auch schon über 50 Jahre alt und gehört an dieses Rad!
Typisch 50er!
Zu guter letzt, diese Seite ist und bleibt in Arbeit...